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"Der
Wert der Luftschiffwaffe ist stark angezweifelt worden. Für uns war
sie in diesem Kriege, da die Seefliegerei anfangs noch ganz unentwickelt
war, nicht zu entbehren. Der weite Überblick, die hohe Geschwindigkeit
und große Sicherheit im Vergleich zur Aufklärungsmöglichkeit
durc Seeschiffe gab uns in den Luftschiffen ein wichtiges
Hilfsmittel.
Doch nur für Schönwetter. Die Flotte mußte sich also nach
den Luftschiffen richten oder auf sie verzichten.
Eine schwächere Flotte braucht möglichst weit vorgeschobene Aufklärung,
die Einblick erhält, ohne verjagt werden zu können. Das war bei
den Luftschiffen der Fall. Die Fliegergefahr für sie kam erst später
und war dann noch auf See gering, über dem Lande dagegen höchst
unangenehm. Obgleich ein Luftschiff im allgemeinen schneller steigen kann
als ein Flugzeug, war der Kampf beider zu ungleich in Bezug auf Treffaussichten.
Die Luftschiffe wurden schließlich zum Aufsuchen so großer
Höhen genötigt, daß es über die menschliche Leistungsfähigkeit
hinausging (Höhen von mehr als 6.000 m). Damit war das Ende ihrer
Angriffstätigkeit gekommen. Für eine weitreichende Aufklärung
behielten sie ihre Bedeutung und Überlegenheit gegenüber den
Flugzeugen, denn sie können sich viel länger in der Luft halten
und sind unabhängig von Hilfsschiffen. Aber je größer sie
wurden, um so seltener wurde wieder ihre Fahrgelegenheit wegen des Herauskommens
aus den Hallen und der späteren Landung.
Über den Erfolg ihrer Angriffe fehlen uns zuverlässige Angaben.
Sie waren die ersten Kriegsfahrzeuge, die die Engländer aus ihrer
Sicherheit auf der Insel aufschreckten und sie nötigten, eine gewaltige
Abwehr einzurichten. Demnach müssen die Störungen doch als sehr
bedrohlich empfunden worden sein.
Unsere Aufgabe war es die Überlegenheit, die wir in dieser Waffe besaßen,
auszunutzen und ihre Leistungsfähigkeit so zu steigern, daß
der Schrecken vor ihr England mit veranlassen konnte, Frieden zu schließen.
Eine solche Vervollkommnung war nur erreichbar, wenn das Streben danach
nicht aufgegeben wurde, trotz aller Rückschläge, die eintraten,
und obgleich immer größerer Widerstand zu überwinden war.
Das gerade ist der richtige kriegerische Geist, dann nicht zu erlahmen,
sondern die Anstrengungen zu verdoppeln, wie es unsere Luftschiffer in
vorbildlicher Weise getan haben.
Die militärische Laufbahn des Luftschiffs wird man wohl als abgeschlossen
ansehen können. Die Technik der Luftschiffahrt ist durch die Kriegserfahrungen
so gesteigert worden, daß der Luftschiffverkehr im Frieden daraus
große Vorteile ziehen wird und die Erfindung des Grafen Zeppelin
als Kulturfortschritt erhalten bleibt."
1 Aus seinem Buch (Seite 227/228), erschienen im Verlag Scherl Berlin 1919 (Ausgabe 1937). Siehe auch "Die deutschen Marineluftschiffe in der Skagerrak-Schlacht" beim Arbeitskreis MHLS (unten), und hier das Dokument Nr. 51
English Text:
The worth
the airship - weapon is strong doubted been. For us was she in these wars,
then the sea - flying
at the
beginning still whole immature was, not to do without. The distance survey,
the high speed and
great safety
in the comparison to the enlightenment - possibility durc [major key -
c] sea-going vessel gave us in the airships animportant resource. After
all only for beautiful - weather. The fleet must he so to the airships
direct or on she fore go.A weak fleet needs if possible wide advance enlightenment,
the insight given, without chased
become
to able. The was by the airships the fall. The aerial - danger for
she came first later and was then
still on
sea small, over the land against it enormous objectionable. Although an
airship in the general
faster
rise can as an aeroplane, was the fight both to irregular in reference
on Treffaussichten [encountering - prospects]. Theairships become finally
to the look for so great heights forced, that it over the human
efficiency
went out heights from more as 6.000 m. With it was the end hers offensive
- activity
came. For
an far-reaching enlightenment keep she her signification and superiority
over against the
airplane,
because she able he much longer in the air hold and are independent from
Hilfsschiffen [- auxiliary - have a slash]. But evergreater she become,
around so rarer became again her Fahrgelegenheit [wheeling - contingency
because they come out - s from the hallsand the later landing.
Over the issue hers aggressions missing us reliable data. You were the
first war - vehicles,the Englishman from hers safety on the island stretch
and she force, an huge defence to arrange. According to that must the disturbances
however as very threateningly felt been is.
Ours duty
was it the superiority, the we in these weapon had, to use and her efficiency
so to ascend, that the terror before you eng with Evaluation copy - Truncated.Ours
duty was it the superiority, the we in these weapon had, to use and her
efficiency so to ascend, that the terror before you eng with arrange for
could, peace to
close.
A such improvement was only obtainable, when the ambition thereafter not
abandoned became,
in spite
of all setbacks, the occurred, and although always major opposition to
subdue was. The straight is the correct bellicosely ghost, then not to
weary, but the efforts to double, how it our aeronauts in more exemplary
wise man did have.The military race of airship is one well as closed look
at able. The technique
the Luftschiffahrt
[airship - ahrt] is through the Kriegserfahrungen [war - experiences] so
increased been, that the Luftschiffverkehr [airship - commerce] in the
peace from it great advantages consider is and the invention of the earl
von Zeppelin blimp as a culture - progress get stays."
Bericht
des deutschen Flottenchefs
Vizeadmiral Scheer
zur
Seeschlacht vor dem Skagerrak
Kommando der Hochseestreitkräfte den 4. Juli 1916
Euerer
Kaiserlichen und Königlichen Majestät melde ich über die
Unternehmung am 31. Mai und
1. Juni und über die Seeschlacht vor dem Skagerrak alleruntertänigst
das Folgende:
A. Die mit der Unternehmung verbundene Absicht.
Die Unternehmung gegen Lowestoft am 23. und 24. April d. Js. hatte im Sinne unseres Operationsplanes gewirkt.
Der Gegner
hatte die Herausforderung als solche empfunden und war offenbar nicht gesonnen,
einen zweiten
ähnlichen
Schlag ohne Gegenwehr hinzunehmen. Er begann sich zu regen. Man hörte
von Umgruppierungen Seiner
Seestreitkräfte
auf die verschiedenen Stützpunkte der Ostküste und von wiederholten
Aufmärschen beträchtlicher
Flottenteile
in der nördlichen Nordsee. Diese unseren Absichten entsprechende Lage
wollte ich nach Fertigstellung
"Seydlitz"
durch einen erneuten Vorstoß der gesamten Flotte ausnutzen.
Die vorläufige
Aufgabe des U-Boots-Handelskrieges gestattete die Mitwirkung aller fahrbereiten
U-Boote. Ich
entsandte
daher Mitte Mai alle U-Boote zu einer Streife durch die nördliche
Nordsee und ließ sie vom 23. Mai ab
Angriffsstellungen
vor den Hauptstützpunkten des Feindes - Humber, Firth of Forth, Moray
Firth und Scapa Flow -
beziehen,
um alsdann durch einen Vorstoß unserer Flotte den Gegner zum Auslaufen
und unter günstigen
Bedingungen
zum Kampf zu nötigen.
Auf diese
Weise war Aussicht vorhanden, die U-Boote zum Angriff zu bringen; gleichzeitig
konnten sie wertvolle
Aufklärungsdienste
leisten. Für den Vorstoß wurden zwei Unternehmungen vorbereitet:
Die eine in nordwestlicher
Richtung
gegen die englische Küste, die andere nach Norden in das Skagerrak
hinein.
Für
den Vorstoß nach Nordwesten war weitgehende Luftschiffaufklärung
unerläßlich, da er in ein Seegebietführte,
in dem
wir uns gegen unseren Willen nicht zur Schlacht stellen lassen durften.
Bei der
Unternehmung nach Norden, für die die jütische Küste im
Osten eine gewisse Deckung gegen feindliche
Überraschungen
bot, war, zumal in Anbetracht der großen Entfernungen von den feindlichen
Stützpunkten, diese
Gefahr
geringer. Luftschiffaufklärung war zwar auch hierfür erwünscht,
aber nicht unbedingt notwendig.
Der Vorstoß
nach Nordwesten erschien als der wirkungsvollere; er wurde deshalb zunächst
in Aussicht genommen:
Dementsprechend
wurden alle Luftschiffe vom 23. Mai ab für die Unternehmung bereitgehalten.
Leider war das
Wetter
dem Vorhaben abhold. Die Flotte wartete vom 23. bis 30. Mai vergeblich
auf einen für die Luftaufklärung
geeigneten
Tag.
Als auch
am 30. Mai eine Änderung der Wetterlage nicht abzusehen war, beschloß
ich, da die U-Boote nicht länger
in Angriffsstellung
gelassen werden sollten, die Operation nach Nordwesten aufzugeben und das
nach Norden
gerichtete
Unternehmen gegebenenfalls ohne Luftschiffaufklärung auszuführen.
B. Die Anlage der Unternehmung
Der B.d.A.,
Vizeadmiral Hipper, erhielt Befehl, mit der I. und II. A. Gr. [Aufklärungsgruppe],
dem II. F. d. T.
[Führer
der Torpedoboote] auf "Regensburg" und der II., VI. und IX. T-Flottille
[Torpedobootsflottille] am 31. Mai
4 Uhr morgens
die Jade zu verlassen und aus Sicht von Hornsriff und der dänischen
Küste nach dem Skagerrak
vorzustoßen,
sich noch vor Dunkelwerden an der norwegischen Küste zu zeigen, damit
die Engländer Kunde von
dem Unternehmen
erhielten, und während des Spätnachmittags und der folgenden
Nacht vor und in dem Skagerrak
Kreuzer-
und Handelskrieg zu führen.
Linienschiff Ostfriesland mit L 31 in der
Skagerakschlacht
Das Gros,
bestehend aus dem I., II. und III. Geschwader, IV. Aufklärungsgruppe,
I. F. d. T. auf "Rostock" und dem
Rest der
T-Flottillen, sollte 4,30 Uhr vormittags folgen, die Aufklärungsstreitkräfte
während der Unternehmung
decken
und am Morgen des 1. Juni aufnehmen.
Die ausliegenden
U-Boote erhielten Funkspruch, daß am 31. Mai und 1. Juni mit dem
Auslaufen feindlicher
Streitkräfte
zu rechnen sei.
Das Marinekorps
übernahm es bereitwilligst, in gleicher Weise die englischen Ausfallhäfen
an den Hoofden zu
blockieren.
C. Der Verlauf der Unternehmung
1. Bis zum Zusammentreffen mit dem Feind
Der von
den Minensuchfonnationen westlich der Amrumbank durch die feindlichen Minenfelder
gebahnte Weg
führte
die Hochseestreitkräfte sicher in die freie See. Luftschiffaufklärung
war zunächst der Wetterlage wegen nicht möglich.
7,37 Uhr
vormittags meldete "U 32" etwa 70 sm östlich des Firth of Forth 2
Großkampfschiffe, 2 Kreuzer und
mehrere
Torpedoboote mit südöstlichem Kurs.
8,30 Uhr nachmittags teilte die F. T.- Entzifferungsstelle Neumünster mit, daß 2 große Kriegsschiffe oder Verbände mit Zerstörern aus Scapa Flow ausgelaufen seien.
8,48 Uhr vormittags meldete "U 66", daß es etwa 60 sm östlich Kinnaird Head 8 feindliche Großkampschiffe,kleineKreuzer und Torpedoboote mit nordöstlichem Kurs gesichtet habe. Die Meldungen gaben kein Bild von denAbsichten des Feindes. Die verschiedenartige Stärke der einzelnen Flottenteile und ihre auseinanderführenden Kurse ließen einstweilen weder auf ein operatives Zusammenarbeiten, noch auf ein Vorgehen gegen die Deutsche Bucht, noch auf irgendwelche Beziehung zu unserer Unternehmung schließen. Die Nachrichten änderten somit nichts an dem befohlenen Vorhaben, nährten lediglich die Hoffnung, daß es uns gelingen möchte, einen Teil der feindlichen Flotte zum Kampf zu stellen.
Zwischen
2 und 3 Uhr nachmittags stiegen nacheinander L 9, L 16, L 21, L 23 und
L 14 zur Fernaufklärung im
Sektor
Nord bis West von Helgoland auf. Zur Mitwirkung bei der sich bald darauf
entwickelnden Schlacht sind sie
nicht gekommen,
haben auch nichts vom eigenen Gros und vom Feinde gesehen und nichts von
der Schlacht gehört,
obgleich
L 14 nach Seinem Besteck 10 Uhr abends über dem Schlachtfeld gestanden
hat.
4,28 Uhr
nachmittags meldete das Führerboot der IV. T-Halbflottille, das von
"Elbing" dem westlichen
Flügelkreuzer
der Marschsicherung des B. d. A. [Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte]
zur Untersuchung eines Dampfers entsandt war, etwa 90 sm westlich Bovbjerg
einzelne feindliche Streitkräfte.
Der Feind,
8 Kleine Kreuzer der "Caroline“ - Klasse, bog, als er unserer Streitkräfte
ansichtig wurde, sofort nach
Norden
ab. Die Kreuzer nahmen die Verfolgung auf.
Hierbei
sichtete der B. d. A. 5,20 Uhr nachmittags in westlicher Richtung zwei
Kolonnen großer Schiffe mit
östlichem
Kurs, wie sich bald herausstellte: 6 Schlachtkreuzer - 3 "Lions", 1 "Tiger",
2 "Indefatigables" - und
leichte
Streitkräfte.
Der B. d.
A. rief die nördlich von ihm jagende II. A. Gr. zurück und ging
zum Angriff vor. Der Feind entwickelte nach Süden zur Gefechtslinie;
der B. d. A. folgte der Bewegung, die außerordentlich willkommen
war, da sie die
Möglichkeit
bot, den Feind auf das eigene Gros zu ziehen, staffelte auf wirkungsvolle
Schußentfernung heran und
eröffnete
5,49 Uhr nachmittags auf etwa 130 hm das Feuer.
2.Der erste Gefechtsabschnitt:
Das Kreuzergefecht
Das Gefecht wurde auf südöstlichen Kursen geführt. Der B. d. A. hielt den Feind auf wirkungsvoller Entfernung. Die Batterien lagen gut am Ziel. Auf allen feindlichen Schiffen wurden Treffer beobachtet. Bereits 6,13 Uhr nachmittags sank der in der Linie an letzter Stelle stehende Panzerkreuzer ("Indefatigable") im Feuer von "von der Tann" unter gewaltiger Detonationserscheinung.
Feuerüberlegenheit
und taktischer Stellungsvorteil waren entschieden auf unserer Seite, bis
6,19 Uhr nachmittags
aus nordwestlicher
Richtung ein neuer Verband von 4 oder 5 Schiffen der "Queen Elizabeth "-
Klasse mit
beträchtlichem
Geschwindigkeitsüberschuß auflief und auf etwa 200 hm beginnend
in das Gefecht eingriff.
Hierdurch
wurde die Lage unserer Kreuzer kritisch. Der neue Gegner schoß bemerkenswert
schnell und gut,
letzteres
um so mehr, als er fast keine Gegenwirkung fand und finden konnte.
6,26 Uhr
nachmittags betrug die Gefechtsentfernung zwischen den beiderseitigen Panzerkreuzern
etwa 120 hm,
zwischen
unseren Panzerkreuzern und den "Queen Elizabeths" etwa 180 hm.
Von den
Flottillen des B. d. A. befand sich zu dieser Zeit nur die IX. T-Flottille
in Angriffsstellung. Der II. F. d. T.
Kommodore
Heinrich auf "Regensburg" und einige Boote der II. T-Flottille standen,
mit äußerster Kraft
aufdampfend,
etwa querab von der Spitze des B. d. A.; die Kreuzer der II. A. Gr. mit
dem Rest der T-Flottillen waren von den "Queen Elizabeths" zum Ausholen
nach Osten gezwungen und hatten deshalb trotz äußerster
Beanspruchung
der Maschinen ihren Posten an der Spitze der Panzerkreuzer noch nicht erreichen
können.
Der II. F. d. T. befahl, der Lage entsprechend, der IX. T-Flottille, deren Chef, Korvettenkapitän Goehle, bereits aus eigener Entschließung zum Angriff ansetzte, zur Entlastung der Panzerkreuzer vorzugehen.
Die IX.
T-Flottille lief gegen 6,30 Uhr nachmittags in schwerem feindlichen Feuer
zum Angriff an. Es fielen 12
Torpedoschüsse
auf die feindliche Linie auf Entfernungen von 95 bis 80 hm. Den Angriff
näher an den Feind
heranzutragen
war unmöglich, da gleichzeitig mit der IX. T-Flottille 15 bis 20 englische
Zerstörer, gedeckt durch
Kleine
Kreuzer, zum Gegenangriff und zur Abwehr unserer Torpedoboote anliefen.
Es kam zum Torpedobootskampf auf nächste Entfernung (1000 bis 1500
m). "Regensburg" mit den bei ihr befindlichen Booten der II. T-Flottille,
und die M. A. [Mittelartillerie] der Panzerkreuzer griffen in den Kampf
ein. Der Feind drehte nach etwa 10 Minuten ab. Auf unserer Seite sanken
infolge Treffer schweren Kalibers "V 27" und "V 29". Die Besatzungen beider
Boote wurden von "V 26" und "S 35" im feindlichen Feuer geborgen.
Auf feindlicher
Seite wurden zwei, vielleicht auch drei Zerstörer zum Sinken gebracht,
zwei weitere so schwer
beschädigt,
daß sie liegen blieben und später dem Gros zum Opfer fielen.
Der Feind machte keinen Versuch, die
Besatzungen
seiner Boote zu bergen. Während des Torpedobootsangriffs hielt die
I. A. Gr. mit der schweren
Artillerie
die englischen Panzerkreuzer wirkungsvoll fest und staffelte gleichzeitig
mit Erfolg vor den in großer Zahl
von der
IX. T-Flottille bemerkten feindlichen Torpedos ab.
Gegen 6,30
Uhr nachmittags wurde auf dem dritten feindlichen Panzerkreuzer ("Queen
Mary") eine gewaltige
Detonation
beobachtet. Als die Sprengwolke in sich zusammensank, war der Kreuzer verschwunden.
Ob die
Vernichtung
durch die Artillerie oder einen Torpedo der Panzerkreuzer oder einen Torpedo
der IX. T-Flottille
erfolgte,
muß dahingestellt bleiben, wahrscheinlich ist sie das Werk der Artillerie.
Auf jeden
Fall hatte der Angriff der IX. T-Flottille den Erfolg, daß das Feuer
des Feindes zeitweilig aussetzte. Dieses benutzte der B. d. A. dazu, die
Panzerkreuzer durch Schwenkung auf nordwestlichen Kurs zu führen und
sich so die Führung an der Spitze der Kreuzer in dem neuen Gefechtsabschnitt
zu sichern. Unmittelbar nach dem
Torpedobootsangriff
war nämlich das deutsche Gros auf dem Kampfplatz erschienen, gerade
rechtzeitig, um den
Aufklärungsstreitkräften
im Kampfe gegen erhebliche Übermacht Hilfe bringen zu können.
3. Der zweite Gefechtsabschnitt:
Die Verfolgung
Das Gros
in K 312 Flottenflaggschiff an der Spitze des I. Geschwaders auf Nordkurs
mit 14 sm Fahrt marschierend -
Schiffsabstand
7 hm, Geschwaderabstand 35 hm, die Torpedoboote als U-Boots-Sicherung um
die Geschwader, die
kleinen
Kreuzer als Marschsicherung um das Gros verteilt - erhielt 4,28 Uhr nachmittags
etwa 50 sm westlich
Lyngvig
die erste Nachricht über das Sichten feindlicher leichter Streitkräfte
und 5,35 Uhr die erste Meldung, daß
starke
Streitkräfte gesichtet feien. Der Abstand zwischen B. d. A. und dem
Gros betrug zu dieser Zeit etwa 50 sm.
Auf die
Meldung hin wurde zur Gefechtslinie K 3 1 2 aufgeschlossen und "Klar Schiff
zum Gefecht" befohlen. Die
5,45 Uhr
nachmittags eingehende Meldung des B. d. A., daß er auf südöstlichem
Kurs im Gefecht mit 6 feindlichen
Panzerkreuzern
stünde, zeigte, daß es gelungen war, einen Teil des Feindes
zu stellen und kämpfend auf unser Gros zu ziehen.
Die englische Flotte
Aufgabe
des Gros war es nunmehr, den materiell schwächeren Panzerkreuzern
so schnell wie möglich Entlastung zu
bringen
und, wenn möglich, dem Gegner einen voreiligen Rückzug zu verlegen.
Ich ging deshalb 6,05 Uhr auf Kurs
Nordwest
und 15 sm Fahrt und eine Viertelstunde später auf Kurs West, um den
Feind zwischen zwei Feuer zu
bringen.
Während das Gros noch in der Kursänderung war, meldete die II.
Aufklärungsgruppe das Eingreifen eines
englischen
Linienschiffsverbandes von 5 Schiffen. Die Lage der I. A. Gr., die nunmehr
6 Panzerkreuzern und 5
Linienschiffen
gegenüberstand, konnte kritisch werden. Es kam folglich alles darauf
an, so bald wie möglich die
Vereinigung
mit ihr herzustellen. Ich schwenkte deshalb auf Nordkurs zurück. 6,32
Uhr nachmittags kamen die
kämpfenden
Linien in Sicht. 6,45 Uhr nachmittags konnten das III. und I. Geschwader
Feuer eröffnen, während der
B. d. A.
mit den ihm zugeteilten Streitkräften sich an die Spitze des Gros
stellte. Die leichten feindlichen Streitkräfte drehten sofort nach
Westen und. sobald sie außer Schußbereich waren, nach Norden
ab. Es ist fraglich, ob das Feuer unserer Linienschiffe ihnen in der kurzen
Zeit der Beschießung Abbruch getan hat. Die englischen Panzerkreuzer
schwenkten auf Nordwestkurs. Die "Queen Elizabeths" folgten in ihrem Kielwasser
und übernahmen damit die Deckung der hart mitgenommenen Kreuzer. Während
beide Verbände sich aneinander vorüberzogen, griff 6,49 Uhr nachm.
der Chef der VI. T-Flottille, Korvettenkapitän Schultz (Max), mit
der XI.
T-Halbflottille an. Der Erfolg konnte nicht beobachtet werden. Der nun folgende Gefechtsabschnitt gestaltete sich zu einem Verfolgungsgefecht. Unsere Aufklärungsstreitkräfte suchten nach feindlichen Schlachtkreuzern, das Gros den "Queen Elizabeths" auf den Fersen zu bleiben. Hierzu wurde divisionsweise bis auf Nordwestkurs mit höchster Fahrt auf den Feind zugestaffelt. Den feindlichen Panzerkreuzern gelang es trotzdem, bald nach 7 Uhr sich dem Feuer der I. A. Gr. zu entziehen. Auch
die "Queen
Elizabeths" gewannen derart an vorlicher Stellung, daß sie nur noch
von den Schiffen der I. A. Gr. und
der V.
Division unter Feuer gehalten werden konnten. Die Hoffnung, daß eins
der gejagten Schiffe lahmgeschossen
dem Gros
zum Opfer fallen würde, erfüllte sich nicht, obgleich gute Feuerwirkung
erzielt und 7,30 Uhr nachmittags
einwandfrei
beobachtet wurde, daß ein Schiff der "Queen Elizabeth"-Klasse nach
mehreren Treffern abdrehte und
sich mit
geringer Fahrt und starker Schlagseite nach Feuerlee aus dem Gefecht zog.
Das Sinken des Schiffes ist nicht beobachtet.
Den Schiffen
des Gros war es einstweilen nur beschieden, 2 moderne Zerstörer ("Nestor"
und "Nomad"), die beim
Angriff
der IX. T-Flottille lahm geschossen waren und überholt wurden, zu
versenken. Die Besatzungen wurden zu
Gefangenen
gemacht.
Als 7,20
Uhr nachmittags auch das Feuer der I. A. Gr. und der Schiffe der V. Division
schwächer zu werden schien,
stand die
Flottenführung unter dem Eindruck, daß dem Feind das Entkommen
gelinge, und gab deshalb an den B. d.
A. den
Befehl und damit für alle Streitkräfte die Parole: "Die Verfolgung
aufnehmen".
Das anfangs
klare Wetter war inzwischen weniger sichtig geworden. Der Wind war von
Nordwest über West nach
Südwest
herumgegangen. Der Pulver- und Schornsteinrauch klebte auf dem Wasser und
benahm von Norden bis
Osten jede
Aussicht. Die eigenen Aufklärungsstreitkräfte waren nur für
Augenblicke auszumachen.
Tatsächlich
war der B. d. A., als er den Befehl zur Verfolgung erhielt, von den feindlichen
Schlachtkreuzern und
leichten
Streitkräften bereits überflügelt und ihrem Drucke nachgebend
gezwungen, nach Norden abzubiegen. Die
Meldung,
die er herüber machen wollte, konnte er nicht abgeben, da kurz vorher
die Haupt- und
Reserve-F.T.-Station
seines Flaggschiffes ("Lützow") infolge eines schweren Treffers ausgefallen
war. Das
Nachlassen
des Feuers an der Spitze war nur darauf zurückzuführen, daß
die Entfernungsmess- und
Beobachtungsmöglichkeit
gegen die untergehende Sonne immer schwieriger und schließlich so
gut wie unmöglich
geworden
war.
Als daher 7,40 Uhr nachmittags, in richtiger Erkenntnis der Lage, feindliche leichte Streitkräfte zum Torpedoangriff gegen unsere Panzerkreuzer ansetzten, blieb dem B. d. A. nichts anderes übrig, als abzustaffeln und schließlich den Verband nach Südwesten herum zu werfen, um wieder engeren Anschluß an das Gros zu suchen, weil eine wirksame Erwiderung des feindlichen Feuers unmöglich war.
4. Der dritte Gefechtsabschnitt:
Die Schlacht
Etwa gleichzeitig
begann auch die Spitze des Gros, dem Drucke von vom nachgebend, in östlicher
Richtung
abzubiegen.
7,48 Uhr nachmittags wurde deshalb mit Signal-Befehl "Führung vorn" zur Linie eingeschwenkt und vorübergehend Fahrt auf 15 sm verringert, um den bis dahin mit äußerster Kraft vorgetriebenen Divisionen die Möglichkeit zu geben, den gelockerten Zusammenhalt wiederherzustellen.
Während
dieser Vorgänge beim Gros war die II. A. Gr. unter Kontreadmiral Boedicker
im Kampf mit einem kleinen Kreuzet der "Calliope"-Klasse, der in Brand
geschossen wurde, kurz vor 8 Uhr nachmittags auf mehrere kleine Kreuzer
der Städte-Klasse und mehrere Linienschiffe, darunter "Agincourt",
gestoßen. Die ganze Stärke des Feindes war in dem Dunst, der
auf dem Wasser lagerte, nicht auszumachen. Die Gruppe erhielt sofort schweres
Feuer, erwiderte das Feuer, schoß Torpedos und drehte in Richtung
auf das eigene Gros ab. Ein Erfolg konnte nicht beobachtet werden, da zum
Schutz der Kreuzer sofort Nebel entwickelt werden mußte. Trotz des
Nebels erhielten "Wiesbaden" und "Pillau" schwere Treffer. "Wiesbaden",
Kommandant Kapitän zur See Reiß, blieb bewegungsunfähig
im feindlichen Feuer liegen.
Vizeadmiral Scheer mit seinem Stab
Der Chef
der XII. T-Halbflottille und der Chef der IX. T-Flottille, die hinter den
Kreuzern gestanden hatten,
erkannten
den Ernst der Lage und griffen an. Beide wurden von einer Linie zahlreicher
Linienschiffe mit
Nordwestkurs
unter Feuer genommen und trugen ihre Torpedos (je 6) bis auf 60 hm an den
Feind heran. Auch hier
war eine
Beobachtung des Erfolges nicht möglich, da dichte Rauchschwaden den
Feind sofort nach dem Abdrehen
der Sicht
entzogen. Beide glauben aber einen solchen für sich in Anspruch nehmen
zu dürfen, da sie unter günstigen
Bedingungen
angegriffen haben.
Zu dieser
Zeit etwa muß sich die Vereinigung des englischen Gros unter Admiral
Jellicoe mit den bisher verfolgten
Streitkräften
des Admirals Beatty vollzogen haben.
Als Folge
entwickelten sich etwa 8,10 Uhr bis 8,35 Uhr nachmittags an der Spitze
des Gros um die havarierte
"Wiesbaden"
schwere Kämpfe, in denen auch die Schiffstorpedowaffe zur Geltung
kam.
Aus nord-nord-westlicher
Richtung griffen die "Queen Elizabeths" und vielleicht auch die Schlachtkreuzer
Beattys
(nach Gefangenenaussagen
scheint es allerdings, als ob sie nach 7 Uhr abends nicht mehr am Kampfe
teilgenommen haben), von Norden her ein neuer Verband von Panzerkreuzern
(3 "Invincibles" und 4 "Warriors") nebst kleinen Kreuzern und Zerstörern
und von Nordosten bis Osten die Linienschiffsgeschwader des feindlichen
Gros an. Vornehmlich die I. Aufklärungsgruppe und die Spitzenschiffe
des III. Geschwaders hatten den Angriff abzuwehren.
In seinem
Verlauf wurden die Panzerkreuzer zu so hartem Abdrehen gezwungen, daß
ich mich 8,35 Uhr nachmittags
genötigt
sah, die Linie durch Gefechtskehrtwendung nach Steuerbord auf Westkurs
umzulegen.
Während des Umlegens der Linie griffen zwei Boote der III. T-Flottille ("G 88" und "V 73") und das Führerboot der I. T-Flottille ("S 32") an. Der Rest der Boote der III. T-Flottille hatte, einem Rückrufbefehl des I. F. d. T. folgend, den Angriff abgebrochen. Den I. F.d.T. hatte zu dem Befehl das Nachlassen des feindlichen Feuers und damit die Überzeugung veranlaßt, daß der Feind abgedreht sei und daß die Flottille, die bei der weiteren Entwicklung der Schlacht notwendig gebraucht werden würde, ins Leere stieße. Die Boote der übrigen Flottillen waren infolge der Stauchung der Spitze nicht imstande anzugreifen. Ein Teil (IX. und VI. T-Flottille) kehrte gerade von dem 8-Uhr-Angriff zurück.
Unmittelbar
nach dem Umlegen der Linie verstummte das feindliche Feuer vorübergehend,
zum Teil, weil der von
den Torpedobooten
zum Schutze der Linie, insbesondere der Panzerkreuzer, entwickelte Rauch
dem Gegner die
Sicht benahm,
hauptsächlich aber wohl wegen der empfindlichen Verluste, die der
Feind erlitten hatte. An sicheren
Verlusten
(gesunken) wurden beobachtet: Ein Schiff der "Queen Elizabeth"-Klasse (Namen
unbekannt), ein
Schlachtkreuzer
("Invincible"), zwei Panzerkreuzer ("Black Prince" und "Defence"), ein
Kleiner Kreuzer und zwei
Zerstörer
(einer davon gezeichnet 04.). Schwer beschädigt, zum Teil in Brand
geschossen, wurden: Ein
Panzerkreuzer
("Warrior", später gesunken), drei Kleine Kreuzer, drei Zerstörer.
Auf unserer Seite war nur "V 48" gesunken, "Wiesbaden" manövrierunfähig
und "Lützow" so schwer beschädigt, daß der B. d. A. sich
gezwungen sah, das Schiff etwa 9 Uhr abends im feindlichen Feuer zu überlassen
und auf "Moltke" umzusteigen.
Die Führung
der I. A. Gr. ging damit bis 11 Uhr abends auf den Kommandanten "Derfflinger"
(Kapitän zur See
Hartog)
über. Auch die übrigen Panzerkreuzer und die Spitzenschiffe des
III. Geschwaders hatten gelitten, hielten
aber ihren
Platz in der Linie.
Nachdem
der Feind das Feuer gegen unsere West steuernde Linie hatte abbrechen müssen,
warf er sich auf die
bereits
schwer beschädigte "Wiesbaden". Das Schiff wehrte sich, wie deutlich
zu beobachten war, tapfer gegen die
erdrückende
Übermacht. Den Nachtmarsch anzutreten war es noch zu früh. Der
Feind hätte uns noch vor dem
Dunkelwerden
nach seinem Willen stellen, die Freiheit des Entschlusses nehmen und schließlich
den Rückweg in
die Deutsche
Bucht verlegen können. Dem vorzubeugen, gab es nur ein Mittel: dem
Gegner durch einen
nochmaligen
rücksichtslosen Vorstoß einen zweiten Schlag zu übersetzen
und die Torpedoboote mit Gewalt zum
Angriff
zu bringen. Das Manöver mußte den Feind überraschen, seine
plane für den Rest des Tages über den Haufen werfen und, wenn
der Stoß wuchtig ausfiel, das Loslösen für die Nacht erleichtern.
Daneben gewährte es die Möglichkeit, einen letzten Versuch zu
machen, der schwer bedrängten "Wiesbaden" Hilfe zu bringen und
wenigstens
die Besatzung zu bergen. Dementsprechend wurde 8,55 Uhr nachmittags die
Linie abermals nach
Steuerbord
auf Ostkurs herumgeworfen, den Panzerkreuzern befohlen, unter vollem Einsatz
auf die Spitze des
Feindes
zu operieren, allen T-Flottillen Befehl zum Angriff gegeben und dem I.
F. d. T. Kommodore Michelsen
Weisung
erteilt, die "Wiesbaden"-Besatzung durch Torpedoboote bergen zu lassen.
Die sich aus dieser Bewegung
entwickelnde
Schlacht zeigte sehr bald ein Bild ähnlich dem 8,35 Uhr nachmittags,
nur daß die Stauchung der Spitze
noch stärker
wurde. Die zur "Wiesbaden" entsandten Boote mußten den Versuch, die
Besatzung zu retten,
aufgeben.
"Wiesbaden" und die vorgehenden Boote lagen in so schwerem Feuer, daß
der Flottillenchef den Einsatz seiner Boote für aussichtslos hielt.
Im Abdrehen feuerten "V 73" und "G 88" insgesamt 4 Torpedos gegen die "Queen
Elizabeths".
Das gegen
die Linie gerichtete Feuer des Feindes vereinigte sich vornehmlich auf
die Panzerkreuzer und die V.
Division.
Die Schiffe litten um so schwerer, als sie vom Feinde wenig mehr als das
Aufblitzen der Salven sehen
konnten,
selbst aber anscheinend gute Ziele boten. Ganz besonders das Verhalten
der Panzerkreuzer verdient
höchste
Anerkennung: Selbst in dem Gebrauch ihrer Waffen durch Verluste erheblich
herabgesetzt, zum Teil schwer havariert, gingen sie rücksichtslos,
dem erhaltenen Befehl entsprechend, gegen den Feind vor.
Ebenso anerkennenswert
ist die Führung des III. Geschwaders (Chef Kontreadmiral Behncke)
und das Verhalten
der Schiffe
der V. Division. Sie und die Panzerkreuzer trugen die Last des Kampfes
und ermöglichten dadurch den
wirkungsvollen
Einsatz der T-Flottillen. Als erste griffen die vorn bei den Kreuzern stehenden
Boote der VI. und IX. T-Flottille an. Ihnen folgten vom Gros aus die III.
und die V. T-Flottille.
Die II.
T-Flottille hielt der II. F. d. T. zunächst zurück, um sie nicht
hinter der VI. und IX. ins Leere stoßen zu
lassen;
der Verlauf hat die Maßnahme gerechtfertigt. Die I. T-Halbflottille
und einzelne Boote der VI. und IX.
T-Flottille
waren mit der Deckung der havarierten "Lützow" beschäftigt. Zum
Ansatz der aufmarschierenden VII.
T-Flottille
fand sich keine Gelegenheit mehr. Die VI. und die IX. T-Flottille nahmen
im Anlauf das bis dahin auf die
Panzerkreuzer
gerichtete schwere feindliche Feuer auf sich, trugen den Angriff bis auf
70 hm gegen die Mitte einer
im Kreisbogen
OSO bis S steuernden, mehr als 20 Großkampfschiffe umfassenden Linie
heran und kamen unter
günstigen
Bedingungen zum Schuß. Im Angriff erhielt "S 35" einen schweren Treffer
mittschiffs und sank sofort.
Alle übrigen
Boote kehrten zurück und legten im Ablaufen zum Schutz der bedrängten
Spitze einen dichten
Rauchschleier
zwischen Feind und eigenes Gros.
Mit dem
Ansatz der T-Flottillen war der Zweck des Stoßes erreicht. Die Linie
wurde deshalb 9,17 Uhr nachmittags
durch Gefechtskehrtwendung
zunächst auf West-Kurs umgelegt und dann durch Schwenkung auf südwestlichen,
südlichen
und schließlich südöstlichen Kurs herumgeholt, um der umfassenden
Bewegung des Feindes, dessen
Spitze
bereits SO peilte, zu begegnen und uns den Rückweg offenzuhalten.
Das feindliche Feuer verstummte sehr
bald nach
der Kehrtwendung. Der Feind muß auf den Angriff der VI. und IX. T-Flottille
hin abgedreht sein: Die III.
und V.
T-Flottille fanden nur noch leichte Streitkräfte und damit keine Gelegenheit
zum Angriff. Die Verluste des
Gegners
können für diesen Gefechtsabschnitt nicht angegeben werden. Bisher
ist nur bekannt geworden, daß
"Marlborough"
einen Torpedotreffer erhalten hat. Es darf mit Sicherheit angenommen werden,
daß weitere Erfolge erzielt sind.
Auch unsere
Panzerkreuzer und die Spitzenschiffe des III. Geschwaders hatten schwer
gelitten. Trotzdem waren alle Schiffe in der Lage, die für die Nachtfahrt
erforderliche hohe Geschwindigkeit (16 sm) und damit ihren Platz in der
Linie zu halten. Selbst "Lützow" konnte, als sie gegen 9,30 Uhr abends
querab vom Flottenflaggschiff zuletzt
gesehen
wurde, noch mittlere Fahrt laufen.
5. Der Nachtmarsch und die Nachtkämpfe
Durch die
Meldungen der T-Flottillen über die Stärke des gesichteten Feindes
war es zur Gewißheit geworden, daß
wir uns
im Kampfe mit der ganzen englischen Flotte befunden hatten.
Es war mit
Sicherheit zu erwarten, daß der Feind versuchen würde, uns während
der Dämmerungsstunden mit
starten
Streitkräfte und während der Nacht durch Zerstörerangriffe
nach Westen abzudrängen, um uns bei
Hellwerden
zur Schlacht zu stellen. Die Macht dazu besaß er. Gelang es, die
feindliche Umfassung zum Stehen zu
bringen
und Hornsriff vor dem Feinde zu erreichen, so blieb uns die Freiheit des
Entschlusses für den nächsten
Morgen
gesichert.
Dies zu
ermöglichen, mußten alle Flottillen für die Nacht zum Angriff
angefetzt werden, auch auf die Gefahr hin, daß sie bei Tagesanbruch
bei den zu erwartenden neuen Kämpfen fehlen sollten. Das Gros selbst
mußte in
geschlossenem
Verbande auf dem nächsten Wege Hornsriff ansteuern und diesen Kurs,
allen Angriffen des Feindes trotzend, durchhalten.
Dementsprechend
wurde befohlen. Gleichzeitig erteilte der F. d. U. den auf Borkum-Reede
befindlichen U-Booten
Befehl,
nach Norden vorzustoßen. Die Führer der Torpedobootsstreitkräfte
setzten die T-Flottillen in Richtung
Ost-Nord-Ost
bis Süd-Süd-West an, das heißt dorthin, wo das Nachdringen
des feindlichen Gros erwartet werden
mußte.
Eine große Zahl von Booten hatte die Torpedos bereits in der Tagschlacht
verschossen; einige waren zum
Schutze
der schwer havarierten "Lützow" zurückgelassen; einige behielten
die F. d. T. bei sich, um im Bedarfsfalle
etwas zur
Verfügung zu haben. Diesem Entschluß war späterhin die
Bergung der Besatzungen "Elbing" und
"Rostock"
zu danken. Zum Angriff gingen somit nur die II., V., VII. und Teile der
VI. und IX. T-Flottille vor. Die
Boote haben
verschiedentlich Nachtgefechte mit leichten feindlichen Streitkräften
gehabt; vom Gros haben sie nichts gefunden. "L 24" hat bei Hellwerden einen
Teil des Gros in der Jammerbucht gesichtet. Der Feind hatte sich also nach
der Schlacht nach Norden entfernt. Die II. T-Flottille, der der nördlichste
Teil des Sektors zugewiesen war, wurde von Kreuzern und Zerstörern
abgedrängt und kehrte um Skagen herum zurück. Dieser Weg war
ihr vom II. F. d. T. freigestellt. Die übrigen T-Flottillen sammelten
mit Hellwerden auf das Gros. Das Gros hatte vor völligem Dunkelwerden
noch einen kurzen, aber ernsthaften Zusammenstoß mit dem Feind. Während
die I. und 11. A. Gr. sich vor die Spitze zu setzen versuchten, erhielten
sie 10,20 Uhr nachmittags aus südöstlicher Richtung schweres
Feuer. Vom Feinde war nur das Aufblitzen der Salven zu sehen. Die bereits
stark havarierten Schiffe erhielten neue Treffer, ohne das Feuer ernstlich
erwidern zu können. Sie drehten daher ab und schoben sich zwischen
dem II. und I. Geschwader hindurch nach Feuerlee.
Die Spitze
des I. Geschwaders folgte der Bewegung der Kreuzer, während das II.
Geschwader (Chef Kontreadmiral Mauve) durchhielt und so das Feuer des Feindes
auf sich nahm. Als das II. Geschwader erkannte, daß die Beleuchtungsverhältnisse
ein Erwidern unmöglich machten, staffelte es ab, um den Feind näher
an das I.
Geschwader
heranzuziehen. Der Feind folgte nicht, sondern stellte das Feuer ein. Etwa
gleichzeitig hatte die IV. A.
Gr. (Führer
Kommodore v. Reuter) unter ganz gleichen Verhältnissen ein kurzes
Gefecht mit 4-5 Kreuzern, darunter Schiffen der "Hampshire"-Klasse. Mit
Rücksicht darauf, daß hauptsächlich die Spitze des Gros
die Angriffe des Feindes abzuwehren haben würde, und um mit Tagesanbruch
vorn stark zu sein, wurde das II. Geschwader nach hinten genommen; der
I. A. Gr. wurde die Rückendeckung, der II. A. Gr. die Vorhut und der
IV. A. Gr. die Steuerbord-Seitendeckung übertragen. Die Linienschiffsgeschwader
marschierten danach in der Reihenfolge: I. Geschwader, Flottenflaggschiff,
III. Geschwader, II. Geschwader; das I. und III. Geschwader im Kehrt. Die
Führung der Linie hatte "Westfalen" (Kommandant Kapitän zur See
Redlich). Während der Nacht griff der Feind in fast ununterbrochener
Folge von Osten her mit leichten und zum Teil auch schweren Streitkräften
an. II. und IV. A. Gr. und vor allem die Schiffe des I. Geschwaders (Chef
Vizeadmiral Schmidt) hatten die Angriffe abzuwehren. Der Erfolg war ausgezeichnet.
In gänzlicher Verkennung der Lage näherte sich 2 Uhr vormittags
ein Panzerkreuzer der "Cressy“-Klasse (Name nicht ausgemacht) den Schlußschiffen
des I. Geschwaders und dem Flottenflaggschiff auf etwa 1500 m. Er wurde
in wenigen Sekunden in Brand geschossen und sank 4 Minuten nach dem Feuereröffnen
unter gewaltigen Detonationen. Nach vorsichtiger Schätzung sind während
der Nacht 1 Panzerkreuzer, 1 KleinerKreuzer und 7 Zerstörer vernichtet,
mehrere Kleine Kreuzet und Zerstörer schwer beschädigt. Auf unserer
Seite fielen "Frauenlob", "Pommern" und "V 4"; "Rostock" und "Elbing" mußten
aufgegeben und gesprengt werden.
"Frauenlob"
(Kommandant Fregattenkapitän Hoffmann ) erhielt 12,45 Uhr nachts im
Laufe eines Gefechts der IV. A. Gr. mit 4 Kreuzern der Städteklasse
einen Torpedotreffer. Nach Aussage einiger weniger Überlebender ist
sie bald darauf, bis zum Untergang kämpfend, gesunken.
"Pommern"
(Kommandant Kapitän zur See Bölken) wurde 4,20 Uhr vormittags
von einem Torpedo getroffen und
flog unter
gewaltiger Detonation in die Luft.
"V 4" lief
4,50 Uhr vormittags auf eine feindliche Mine. Die Besatzung konnte geborgen
werden. "Rostock" und
"Elbing"
gerieten 1,30 Uhr vormittags Backbord querab von der Spitze des I. Geschwaders
in ein Gefecht mit
Zerstörern,
mußten schließlich vor den Torpedos des Feindes abwenden und
durch die Linie des I. Geschwaders
durchbrechen,
um das Feuer der Linienschiffe nicht zu behindern. Hierbei erhielt "Rostock"
einen Torpedotreffer,
während
"Elbing" mit "Posen" kollidierte.
Beide Kreuzer
wurden manövrierunfähig. "Rostock" hielt sich noch bis 5,45 Uhr
vormittags und wurde dann beim
Insichtkommen
feindlicher Kreuzer gesprengt, nachdem die ganze Besatzung, einschließlich
Verwundeter, von
Booten
der III. T-Flottille geborgen war. Auch die "Elbing"-Besatzung wurde von
einem Boot der III. T-Flottille
übergenommen.
Nur der Kommandant, der I. 0. und T. 0. mit einer Kutterbesatzung blieben
an Bord, um das Schiff
so lange
wie möglich zu halten. Als 4 Uhr vormittags feindliche Streitkräfte
in Sicht kamen, mußte auch "Elbing"
gesprengt
werden. Der Rest der Besatzung rettete sich im Kutter, wurde später
von einem holländischen
Fischdampfer
aufgenommen und ist über Holland zurückgekehrt. "Lützow"
wurde bis 3,45 Uhr vormittags über
Wasser
gehalten. Das Schiff wurde zuletzt über den Achtersteven gesteuert.
Alle Versuche, das eindringende
Wasser
zum Stehen zu bringen, waren vergeblich. Das Vorschiff hatte zu starr gelitten.
Schließlich waren etwa 7000 t Wasser im Schiff. Die Back war bis
zum Knopf des Göschstockes überspult. Die Schrauben schlugen
aus dem Wasser. Das Schiff mußte aufgegeben werden. Die Besatzung,
einschließlich aller Verwundeten, wurde von den Booten "G 40", "G
37", "G 38" und "V 45" übergenommen und "Lützow" durch einen
Torpedoschuß versenkt.
Die 4 Boote
hatten insgesamt 1250 Mann von "Lützow" an Bord. Sie stießen
zweimal auf feindliche Kreuzer und
Zerstörer,
griffen beide Male unter Führung des ältesten Kommandanten, Kapitänleutnant
Beitzen (Richard), an und bahnten sich mit Erfolg den Weg in die Deutsche
Bucht. Bei dem letzten Gefecht erhielt "G 40" einen Treffer in die Maschine
und mußte geschleppt werden. Als Meldung hierüber beim Gros
einging, machte der II. F. d. T. mit "Regensburg" kehrt und nahm den Schleppzug
auf.
"S 32",
Führerboot der I. T-Flottille, Kommandant Kapitänleutnant Froelich,
erhielt 1 Uhr vormittags einen
schweren
Treffer in den Kesselraum und war vorübergehend manövrierunfähig.
Es gelang dem Kommandanten
jedoch,
die Kessel mit Seewasser speisend, das Boot bis in die dänischen Hoheitsgewässer
zu bringen. Von dort
wurde es
dann von ausgesandten Torpedobooten durch das Nordmannstief eingeschleppt.
6. Die Lage am 1. Juni morgens
Während
der Nacht waren L 11, L 13, L 17, L 22 und L 24 zur Frühaufklärung
aufgestiegen.
L 11 meldete
5,10 Uhr vormittags einen Verband von 12 englischen Linienschiffen, zahlreichen
leichten Streitkräften und Zerstörern mit nördlichem Kurs
etwa auf der Mitte der Linie Terschelling-Hornsriff und gleich darauf 6
feindliche Großkampfschiffe und 3 Schlachtkreuzer nördlich von
diesem Verband. Das Luftschiff wurde stark beschossen, hielt aber Fühlung.
Der Feind drehte bald nach dem Sichten nach Westen ab und kam in unsichtigem
Wetter aus Sicht. L 24 sichtete 4 Uhr vormittags 50 sm westlich Bovberg
eine Flottille feindlicher Zerstörer und etwa 6 U-Boote, wurde beschossen
und erwiderte das Feuer mit Bombenangriffen, klärte alsdann weiter
nach Norden auf und fand 5 Uhr vormittags in der Jammerbucht einen Verband
von 12 Großkampfschiffen und zahlreichen Kreuzern, die mit hoher
Fahrt Süd steuerten. Fühlung halten und weiteres Aufklären
waren nicht möglich, da die Wolkendecke bis auf 800 m hinabreichte.
Beim Gros selbst war bei Tagesanbruch nichts vom Feinde zu sehen. Das Wetter
war so unsichtig, daß kaum eine Geschwaderlänge zu übersehen
war.
Die von den Panzerkreuzern eingegangenen Meldungen zeigten, daß die I. A. Gr. ein ernstliches Gefecht nicht mehr führen konnte. Auch die Spitzenschiffe des III. Geschwaders mußten an Gefechtskraft verloren haben. Von den schnellen kleinen Kreuzern standen nur noch "Frankfurt", "Pillau" und "Regensburg" zur Verfügung. Mit weiterer Luftschiffaufklärung war bei dem unsichtigen Wetter nicht zu rechnen. Es war somit aussichtslos, den im Süden gemeldeten Feind regelrecht zu stellen. Der Zusammenstoß und seine Folgen wären dem Zufall überlassen gewesen. Ich sah deshalb von weiteren Operationen ab und gab den Befehl zum Einlaufen. Auf dem Rückmarsch stieß "Ostfriesland" westlich List auf eine zu einer bis dahin unbekannten, offenbar erst unlängst ausgelegten feindlichen Sperre gehörige Mine. Das Schiff lief unter eigenem Dampf in den Hafen. Mehrere U-Boots-Angriffe auf unser einlaufendes Gros blieben erfolglos, zum Teil dank der Aufmerksamkeit der Flieger, die das Gros in Höhe von List aufnahmen und bis zu den Flußmündungen geleiteten. Alle Schiffe und Boote liefen im Laufe des Tages in die Flußmündungen ein. Besonderer Erwähnung bedarf das Einbringen der schwer havarierten "Seydlitz" (Kommandant Kapitän zur See von Egidy). Daß das Schiff den Hafen erreicht hat, ist eine hervorragende Seemännische Leistungdes Kommandanten und der Besatzung.
Die aus
der Ems auslaufenden U-Boote erhielten Befehl, "Elbing" und havarierte
Schiffe des Feindes zu suchen.
Den vor
den englischen Häfen auslegenden U-Booten wurde aufgegeben, wenn irgend
möglich, noch einen Tag
länger
auf Station zu bleiben. "U 46" stieß 6,20 Uhr nachmittags etwa 60
sm nördlich von Terschelling auf ein
havariertes
Schiff der "Iron-Duke"-Klasse ("Marlborough"), Der gefeuerte Torpedo verfehlte
das Ziel. Von den vor den feindlichen Hafen ausliegenden U-Booten hat "UB
21" am 31. Mai und "U 52" am 1. Juni je einen Treffer gegen einen Zerstörer
erzielt. Das Sinken konnte in beiden Fällen wegen der feindlichen
Gegenwirkung nicht beobachtet werden.
D. Schlußfolgerung
Der errungene
Erfolg ist der angriffsfreudigen, zielbewußten Führung durch
die Unterführer und den vortrefflichen,
von hervorragendem
kriegerischem Geist getragenen Leistungen der Besatzungen zu danken.
Er ist nur
möglich gewesen dank der Güte unserer Schiffe und ihrer Waffen,
dank der zielbewußten
Friedensschulung
der Verbände und dank der gewissenhaften Einzelschiffsausbildung.
Die reichen
Erfahrungen werden sorgfältig verwertet werden. Die Schlacht hat bewiesen,
daß wir uns in dem Ausbau unserer Flotte und der Entwicklung der
einzelnen Schiffstypen von richtigen strategischen und taktischen
Anschauungen
haben leiten lassen, daß wir deshalb die eingeschlagenen Bahnen weitet
verfolgen müssen.
An dem Erfolg
haben alle Waffen ihren Anteil. Den Ausschlag hat aber unmittelbar und
mittelbar die weittragende
schwere
Artillerie der Großkampfschiffe gegeben. Sie hat den größten
Teil der dem Gegner zugefügten, bisher
bekannten
Verluste herbeigeführt und die Torpedobootsflottillen zu erfolgreichem
Angriff an das Linienschiffgros
herangebracht.
Das Verdienst der T-Flottillen, durch ihren Angriff den Großkampfschiffen
schließlich eine glatte
Loslösung
vom Feinde ermöglicht zu haben, wird durch diese Feststellung nicht
geschmälert.
Das Großkampf
Schiff - Linienschiff und Kreuzer - ist und bleibt deshalb der Grundpfeiler
der Seemacht. Es wird sich weiter entwickeln müssen durch Verstärkung
des Geschützkalibers, Erhöhung der Geschwindigkeit und
Vervollkommnung
des Panzer- und Unterwasserschutzes.
gez. Scheer.
An Seine
Majestät den Kaiser und König.
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für Marine- und Heeres- sowie Luftschiff- und Seeflieger-Geschichte
Harry.C.Redner
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