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Konteradmiral Werner Fuerbringer
Traeger des Hohenzollern-Hausorden mit Schwertern,
heranstehend dem Pour le Merite.
Werner Fuerbringer war der hoechstausgezeichnete
aus Braunschweig gebuertige
Marineoffizier des I.Weltkrieges.Geboren am
2.Oktober 1888 in Braunschweig,
als Sohn eines Arztes.Der Eintritt in die
Kaiseriche Marine erfolgte 1907.Seine
Ausbildung machte er in der 3.Inspektion Marineschule
Muerwik,und auf SMS "Charlotte".
1909 - 1914
Ein Jahr SMS "Roon" (Aufklaerungsstreitkraefte).
- Zwei Jahre beim
Ostasien-Kreuzergeschwader auf SMS "Scharnhorst".
- 1912 mit Detachement zum
Schutz der deutschen Niederlassung in Hankau
ausgeschifft. - Nach Heimkehr mittels
der Transsibirischen Eisenbahn quer durch
Sibirien und Rußland Ausbildung in der
U-Boot-Waffe. 1913 WO auf U 1, dann U 20 (bis
1915).
"Das Geschwader* kreuzt weiter in den asiatischen
Gewaessern. Im August 1912, beim Einlaufen in Nagasaki, werde ich
beim Ankermanöver vorn auf dem Vorschiff laenger aufgehalten als
gewöhnlich. Inzwischen kommt eine Barkasse laengseits und bringt
uns die neuesten Telegramme aus der Heimat. Der Kommandant,
der sich noch auf der Kommandobruecke befindet, ruft mir ploetzlich
zu: `Gratuliere Fuerbringer, Sie sind zur U-Boot-Waffe kommandiert.
Es ist das erste Mal, daß ein Offizier vom
Kreuzergeschwader zu den U-Booten kommt. In der Offiziersmesse
herrscht darueber große Aufregung. Ich selbst weiß nicht, ob
die
Kommandierung eine Auszeichnung ist oder das Gegenteil. Meine
Kameraden beneiden und beglueckwuenschen mich."
* aus: "Alarm ! Tauchen !!" von Werner Fuerbringer
1914-1918
Waehrend der ersten beiden Feindfahrten WO
auf U-20(Kapitaenleutnant Schwieger),
bei der 3.Halbflottille Emden.
Rechts im Bild Fuerbringer
1915-1918 Kommandant von folgenden Booten:
UB 2,UB 39,UC 70,UC 17,UB 58,UB 110
U-Flootille Flandern.
U-Boot Asse des I.Weltkrieges
Valentiner,Hundius,Fuerbringer
Fuerbringer versenkte 103.000 BRT,geriet bei
der Versenkung seines Bootes UB 110
am 19.Juli 1918 in britische Gefangenschaft
1919 - 1939
Nahm nach der Rueckkehr aus der Gefangenschaft
am 6. Maerz
1920 den Abschied. - 1920 bis 1922 Direktionsassistens
bei der
Fa. Blohm & Voß, Hamburg. - 1922/23
Sekretariatsleiter der Fa.
Gebr. Roechling, Kohlenimport, Hamburg. -
1923/24 Teilhaber
des Ingenieur-Bueros Herbert Stehn, Hamburg.
- 1924/26
Geschaeftsfuehrer der Fa.Staudt&Bookmann,
Herdfabrik
Braunschweig. - 1927/28 in Holland "Ingeneursburo
voor
Schepsbouw", Den Haag (Bau tuerkischer U-Boote).
- 1929/31 als
U-Boots-Instrukteur in der Tuerkei. - 1933
in Finnland
U-Boot-Bau und Probefahrten mit geheimer deutscher
Besatzung.
- 1933/37 reaktivierter Uebungsleiter U-Bootschule
Neustadt in
Holstein. - Schrieb 1933 das Buch "Alarm !
Tauchen !!" (Auflage
150.000). - 1937 Kommandeur der U-Boot-Schule
Neustadt. -
1938/39 Oberkommando der Marine (OKM), Berlin,
Abteilungschef "Ausfuhr, Kriegsgeraet und
Erfindungen".
Freunde in der Luft
Das Erlebnis* mit dem Segler, der sich als U-Boot-Falle entpuppte, war
für uns bitter, denn
zusammen mit anderen Erfahrungen zeigte es, daß unsere kleinen U-Boote
bei ihrer
schwachen Armierung nicht einmal gegen bewaffnete englische Hochseefischer
wirkungsvoll
vorgehen konnten. Der Flotillenchef ordnete deshalb an, den Kampf gegen
diese Segler nach
Moeglichkeit immer durch zwei zusammenarbeitende U-Boote zu fuehren. Zu
einem solchen
Unternehmen bekam mein Freund, der Oberleutnant zur See Hans Valentiner,
und ich im
August 1915 Befehl. Wir liefen gemeinsam von Brügge nach Zeebrügge,
mußten aber dort
wegen dicken Nebels erst noch stundenlang herumliegen und waren froh, als
wir nach
Aufklaren endlich draußen auf See waren und die Gefahren der Kueste
- darunter auch die
scharfen Erfrischungsgetraenke beim Molenpapst - hinter uns hatten.
In Ruhe
Werner Fuerbringer (Mitte) mit seinen Kameraden Hundius und Hans Valentiner.
Hundius erlitt in der selben Nacht, in der ihm die Verleihung des Pour
le Mérit
gefunkt wurde, mit seiner gesamten Besatzung den Soldatentod.
Sein Boot wurde kurz vor dem Einlaufen in den Zeebruegger Hafen torpediert
...
* aus: "Alarm ! Tauchen
!!", Seite 98 ff.
Ein eigenartig sicheres Gefuehl, nun einmal zu zweien zu marschieren. Es
dauert natuerlich eine
gewisse Zeit, bis wir herausgefunden haben, wie man sich zu verhalten hat,
wenn beide Boote
beim Herannahnen eines Gegners tauchen müssen. Es konmmen einige Male
englische
Zerstörer in Sicht, wenn auch leider nicht in Angriffsentfernung.
Wir tauchen, und trotzdem
die Unterwasserfahrt verschiedentlich Stunden dauert, finden wir uns immer
bald wieder.
Am Spaetnachmittag des zweiten Tages befinden wir uns in der Hoehe von
Lovestoft, etwa
30 Seemeieln von der englischen Kueste entfernt. Die See ist ruhig, eine
leichte Brise steht aus
West, die Sonne ist durch tiefliegende Dunstschleier verdeckt. Valentiner
fährt in Kiellinie
etwa 300 Meter hinter mir. Ich selber stehe oben auf dem Turm meines Bootes
und sehe
zufällig nach achtern. Dort macht Valentiners Boot Winkspruch. Wir
zeigen sofort
"Verstanden" und lesen ab: "Steuerbord querab Zeppeline !"
Alles blickt hin, und tatsächlich erkennen wir jetzt, von den Wolken
noch halb verdeckt,
drei Zeppeline. Majestaetisch, aber doch mit hoher Fahrt kommen sie unter
Gebrumme heran.
Immer deutlicher heben sich die Umrisse aus dem Dunst ab. Ihre Hoehensteuerung
ist
schwankend. Bald fahren sie für kurze Zeit unter
den Wolken, bald verschwinden sie minutenlang
unseren Blicken. Wenn sie uns nur sehen koennten !
Sie fahren zwar nur auf etwa fuenfhundert bis
sechshundert Meter Hoehe, aber unsere Bootchen
sind ja so kleine Punkte auf See, daß sie wirklich
leicht uebersehen werden koennen, und das ist unsere Angst!
Viel zu frueh, lange bevor sie uns erkennen
können, schießen wir unsere Erkennungssignale
und warten gespannt auf die Antwort; natuerlich
kommt sie nicht. Immer naeher und naeher kommen die gewaltigen Kerle. Schnell
wachsen sie
ins Riesenhafte, ihre Leiber wirken in dem Dunst wie mythologische Ungeheuer.
Wenn wir
nicht wueßten, daß es unsere Luftschiffe sind, könnte
einem bei ihrem ueberwaeltigenden Anblick
das Herz in die Hose sacken. So aber sind wir namenlos stolz: es sind unsere
Luftschiffe.
Wir schießen weiter einen Erkennungsstern nach dem anderen, wir wollen
von ihnen
unbedingt gesehen werden. Jetzt sind sie nur noch knapp fuenfhundert Meter
von uns ab, und
das Brausen der Motoren wird geradezu betäubend - aber noch immer
haben sie uns keine
Antwort gegeben. Da scheint der mittlere Zepp uns plötzlich entdeckt
zu haben, seine Spitze
neigt sich abwärts, er schießt direkt auf uns zu. Offenbar hält
er uns für feindliche U-Boote !
Ich sehe nach achtern zu meinem guten Valentiner, der ist schon mitten
im Tauchen begriffen.
Nun aber fix, runter auch wir !
Die Leute, die eben noch auf dem Turm gestanden haben, poltern nur so ins
Boot.
Himmelherrgottnochmal, wenn wir von dem eine Bombe kriegen, die sitzt !
Es hat keiner mit
der Stoppuhr dabeigestanden, aber ich glaube fast, noch nie haben wir ein
Tauchmanöver so
schnell zustande gebracht wie in diesem Moment. Alle Tanks werden aufgerissen,
das Boot
wird im Handumdrehen zu schwer, ist kaum mehr zu halten und fällt
wie ein Stein auf den
Grund. Dort kommen wir alles andere als sanft an, dennoch atme ich erleichtert
auf. Kaum
haben wir uns einige Sekunden besonnen, da schlägt eine Explosion
von solcher Gewalt ans
Boot, wie wir es noch nicht erlebt haben. Der Steuermann lacht und meint:
"Es ist wirklich
doch ´ne Pracht, wie unsere deutschen Bomben ziehen." Mir ist aber
noch verdammt schwül
zumute; noch eine solche Marke in unserer Nähe, und wir haben ausgemeckert.
Aber gottlob,
es bleibt alles ruhig, und bald tauchen wir wieder auf. Unsere Zeppeline,
denken wir, werden
hoffentlich doch andere Arbeit zu verrichten haben, als ihre kleinen U-Boot-Kameraden
auf
See zu belästigen.
Tatsächlich befinden wir uns da oben allein auf weiter Flur. Auch
Hänschen Valentiner
ist noch nicht zu sehen, Seine Hochachtung vor unseren Zeppelinen ist offenbar
noch größer
als meine. Nach zehn Minuten erscheint er an der Oberfläche, wir legen
uns gleich längseits
voneinander, um erst mal ein kleines Palaver zu machen.
Ganz dolle Kiste. Unsere Sternsignale haben die Luftschiffe offenbar nicht
gesehen. Aber daß
sie es nicht wenigstens versucht haben, durch Sternsignale vom Luftschiff
aus unser
Erkennungssignal anzufordern, das ist allerhand. Wir müssen unbedingt
Meldung darüber an
den Admiralstab macehn ! "Haben Sie sich eigentlich auch die Nummern von
den Luftschiffen
gemerkt ?" frage ich Valentiner. "Ja", antwortet Hänschen, "besonders
die Nummer des
mittleren Luftschiffes, das wohl die Bombe geworfen hat: Nummer 35 !" Das
wäre ja ´ne
feine Schweinerei, dann hätte mir also mein eigener Vetter, Herbert
Ehrlich* von "Z 35", den
Garaus machen wollen. Na warte, alter Junge, dafür sollst du büßen,
aber schwer büßen - im
Kassino !
Die Zeppeline haben, wie wir später feststellen konnten, unsere Signale
wirklich nicht
gesehen. Unsern Bootstyp gab es nicht in der Deutschen Bucht, dem eigentlichen
Aktionsgebiet** der Zeppeline, und so kamen sie gar nicht auf den Gedanken,
daß wir etwas
anderes als englische U-Boote sein könnten. Selbst Freunde in der
Luft sind immer unsichere
Kantonisten für uns U-Boote !
Als Valentiner und ich meinen Vetter zufällig ein halbes Jahr später
zu fassen kriegten,
haben wir uns wieder versöhnt, er hat aber für die Kostprobe,
die er uns aus der Luft
zugeworfen hatte, eine fast ebenso erhebliche aus dem Weinkeller des Kasinos
anfahren
müssen.
* da hat
sich Werner Fürbringer leider vertan: Kapitänleutnant Ehrlich
fuhr sowohl den "L 35" als auch
den "L 5". Zur fraglichen Zeit, am 9./10 August 1915, war der "L 35" noch
nicht gebaut. Also handelt
es sich möglicherweise um den "L 5" ...
Die Marineluftschiffe hatten übrigens vor ihrer Zahl ein "L". Die
Bezeichnung "Z" plus Nummer
ist also nicht korrekt. Die Heeresluftschiffe hießen "LZ" plus Nummer,
z.B. "LZ 38"
** bei dem Angriff vom 9.
auf den 10. August handelte es sich um den ersten sogenannten "Geschwaderangriff"
weitere Erklärungen zu diesem Terminus siehe auch unter "Die Luftschiffwaffe
des Heeres"
Konteradmiral Fürbringer während
des II.Weltkrieges
mit Generalmajor Ziegler und General der Infantrie
Bremer.
1939 - 1945
OKM, Berlin, Chef U-Boot-Amt/U-Boot-Abwehr.
- November 1942 Inspekteur
der Wehr-Wirtschafts-Inspektion Ostland.
- 1. Dezember 1942 Beförderung zum Konteradmiral.
- 30. Juni 1943 verabschiedet.
- 1944/45 Inspekteur Werkluftschutz
Reichsgruppe Industrie.
nach 1945
Die russische Besetzung übersteht er
als Portier des eigenen Hauses. Bis 1948 arbeitet er zusammen
mit seiner Frau Käte als Hilfsarbeiter
in einer Elektrowerkstatt.
Bei der Blockade Berlins 1948 übersiedelt
er nach Hagen in Westfalen. Dort übernimmt er die Vertretung
für die Gummifabrik"Fit" von Edmund Graef,Frankfurt
am Main.Inhaber der Firma ist der ehemalige Kapitän zS.
(Ing.)Graef vormals technischer Referent beim
Übungsleiter der U-Boote.
1956 übersiedelt Werner Fürbringer
in
seine Heimat Braunschweig. Am 8. Februar 1982
wird er zur "Großen Flotte" abberufen.
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