|
|||||||
|
|
|
|||||
|
|
|||||||
Funktelegraphie
Kaiserliche
Marine
1. Geschichtliche
Entwicklung bis zum Löschfunkensender – 1911
Dem deutschen
Physiker Heinrich Hertz war es 1888 gelungen, die von Maxwell theoretisch
vorhergesagten elektromagnetischen Wellen experimentell zu erzeugen und
ihre Ausbreitungseigenschaften nachzuweisen. Daraufhin wurden von mehreren
bedeutenden Wissenschaftlern Untersuchungen und Versuche angestellt, wie
und mit elchen technischen Mitteln diese elektromagnetischen Wellen für
die Übertragung von Nachrichten nutzbar gemacht werden konnten. In
England baute Marconi den ersten Funkentelegraphen, überbrückte
1895 eine kurze Entfernung und im Jahre 1897 den Bristol-Kanal.
In Deutschland
war 1898 die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie System Prof. Braun
und Siemns&Halske gegründet worde.
1899 errichtete
Prof. Braun eine Funkentelegraphie-Verbindung zwischen Cuxhaven und dem
feuerschiff Elbe 1. Versuche mit der kaiserlichen Marine hatten reichweiten
bis zu 48km er-geben.
Anfang des
20. Jahrhunderts waren die beiden deutschen Funksysteme Braun/Siemens und
Slaby/Arco/AEG technisch erheblich vervollkommnet worden.
Im Jahre 1902
hatten die beiden Firmengruppen auf persönliche Veranlassung von Kaiser
Wilhelm II. intern versucht, sich zu einigen.
Mai 1903 wurden
von beiden Gruppen gemeinsam die „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie,
System Telefunken“ gegründet.
Bewegliche
Funkstationen wurden erstmalig im Jahre 1904/05 im Russisch-Japanischen
Kriege und bei den Schutztruppen in Deutsch-Südwest-Afrika eingesetzt.
Diese Geräte hatten eine Reichweite bis zu 200km.
1905 wurde
vom Reichsmarineamt und Reichspostamt eine Funkentelegraphiestation an
der Nordseeküste errichtet. Telefunken erhielt Aufträge, Funkstationen
zu bauen mit einer Reichweite von 1500km für Schreibempfang und 1725km
für Hörempfang.
1908 führte
Telefunken für alle Telefunken-Sender, die von Prof. Wien erfundene
Löschfunkenstrecke ein.
1911 wurde
von Telefunken und Siemens die „Deutsche Betriebsgesellschaft für
drahtlose Telegraphie“ kurz DEBEG, gegründet.
2. Hochfrequenzmaschinensender
Von Telefunken
wurden 1905 Versuche und Entwicklungen von Hochfrequenzmaschinen-sendern
eingeleitet. 1906 begann der Bau der später sehr bekannten Großstation
„Nauen“ bei Berlin. Im ersten Weltkrieg hat diese Station eine sehr große
Bedeutung beim Einsatz in der Marine und beim Funkverkehr mit unseren Kolonien
in Afrika gehabt. Die Forderung von immer größeren Leistungen
bei Wellenlängen von 12 000 bis
20 000 m konnten
nur mit Hochfrequenzmaschinensendern erreicht werden.
Diese Entwicklung erfolgte in folgenden zeitlichen Abschnitten:
1. Abschnitt:
1906 bis 1909 Knallfunkensender m. 10KW Antennenleistung
2. Abschnitt:
1909 bis 1911 Tönende Löschfunkensender m. 30KW Antennenlestung
3. Abschnitt:
1911 bis 1916 gleichzeitig:
a) Tönende
Löschfunkensender bis 80KW –
b) Maschinensender
bis zu 100KW Antennenleistung
4. Abschnitt:
1916 bis 1925
Maschinensender bis rund 250KW Antennenleistung
5.
Abschnitt: 1925 bis 1928 gleichzeitig:
a) Maschinensender
bis über 360KW Antennenleistung
b) Kurzwellensender
mit Richtantennen mit nur 20KW Antennenleistung
Von 1911 an, also mit der Einführung der Maschinensender, wurde planmäßig eine laufende Verbindung mit den deutschen Kolonien in Afrika, Tsingtau und in der Südsee aufgebaut, die bis weit in den Krieg hinein ausgezeichnet gearbeitet hat. Daneben bestand ein kommerzielles Funknetz nach Nord- und Südamerika, das zusätzlich zu dem Seekabelnetz betrieben wurde.
3. Technische Ausrüstung
Alle Schiffe der kaiserlichen Marine waren bei Kriegsbeginn 1914 mit einer Funkstation aus-gerüstet. Diese umfaßte einen oder mehrere tönende Löschfunkensender verschiedener lei-stung je nach Größe der Schiffe. Die Sender überdeckten den Wellenbereich von 2500 bis 6000m. Alle Sender konnten mit verschiedenen Funkenstrecken senden., die nach der erfor-derlichen reichweite geschaltet wurden. Sie waren für einen schnellen Wellenwechsel auf 10 festgelegten Wellen ausgerüstet. Auf den Linienschiffen und Schlachtkreuzern war zusätzlich ein 4KW starker „Poulsen-Lichtbogensender“ eingebaut, der ungedämpfte Wellen abstrahlte.
Als Empfänger wurden die sogenannten „Muze“ – Empfänger (Marine Universal Zellen Empfänger) verwendet. Diese nicht ganz einen Kubikmeter großen Kästen hatten einfache Detektoren, sie konnten etwa den gleichen Bereich wie die Sender überdecken. Verstärker mit „Lieben-Röhren) wurden während des Krieges allmählich eingebaut. Sie wurden aber sehr geschont, da der Nachschub an Röhren knapp war. Außerdem setzten die erfahrenen Funk-maate ihren Stolz darein, auch die leisesten Morsezeichen noch zu empfangen. Darüber hin-aus war noch der Empfänger „Maze“ (Maarine Aptierter Zellen Empfänger) an Bord, der, soweit noch festzustellen, etwa die gleichen Leistungen wie der Muze hatte.
Die Antennen
waren zwischen den Masten, meistens in Form von reusen, gespannt. Sobald
die Sender oder nur einer mit allen Funkenstrecken strahlte, traten an
diesen hell leuchtende „St. Elms-Feuer“ auf. Für die Verbindung mit
der Küste hatte die Marine in allen Standorten eigene Küstenfunkstellen
(KFS) verschiedener Leistung erstellt. Die ersten grundlegenden Versuche
über Reichweiten, Empfangsbedingungen und die vielen anderen Eigenschaften
der elektromagnetischen Wellen wurden, auf der von Maarine und Reichspost
gemeinsam er-richteten Küstenfunkstelle Norddeich durchgeführt.
Diese Funkstelle war mit Personal der Reichspost besetzt. Bei Manövern
und wichtigen Erprobungen übernahm ein Seeoffizier mit Funkpersonal
der Marine den Betrieb. Es ist interessant, daß bei der marine noch
1908 der Schreibempfang von Funksprüchen gefordert wurde, damit die
auf dem Streifen aufgezeich-neten Morsezeichen nachgeprüft werden
konnten. Erst nach eingehenden weiteren Erprobun-gen wurde 1909 der Schreibempfang
auschließlich auf Hörempfang mittels Fritter, später
Detektor, umgestellt.
Dieses gemeinsame
Erarbeiten vieler bis dahin unbekannter Probleme der Funktechnik wurde
durch enge Zusammenarbeit zwischen Marine und Post zum Nutzen beider
wesentlich geför-dert.
4. Funkbetrieb
Der Funkbetrieb
in der marine wurde nach dem internationalen Verfahren, das sich allmählich
herausgebildet hatte, abgewickelt. Als satzbuch für den geschlüsselten
Funkspruch diente das „Geheime Signalbuch“, also eine Marine-Dienstvorschrift,
die auch für den optischen Signal-verkehr benutzt wurde. Die dem Signalbuch
entnommenen, meist dreistelligen Gruppen wur-den mit einer einfachen
Tauschtafel überschlüsselt.
Der Funkverkehr
wurde im Leitstellenverkehr abgewickelt: jeder Funkspruch mußte bei
der festgelegten Leitstelle zunächsst angemeldet werden. Nach Aufforderung
der Leitstelle wurde der Funkspruch abgegeben. War das Adressat ein anderes
Schiff oder ein eingeschiffter Stab, so mußte die leitstelle bei
dieser Stelle fragen, ob der Funkspruch verstanden war. Der Vorteil dieses,
im Prinzip bis 1945 geltenden Verfahrens lag darin, daß alle Funkstellen,
die die Welle der Leitstelle geschaltet hatten, diesen Funkspruch mithörten,
also über den Inhalt un-terrichtet waren. Der Nachteil lag in dem
zwangsweise notwendigen Verständigungsverkehr.
Die Funknamen
aller Funkstellen wurden anfangs ebenfalls dem Signalbuch entnommen, später
gab es eine laufend ergänzte Funknamenliste.
5. Geschichtliche Bemerkungen über die Umlaufbahn
Die Einordnung
des Personals für die Bedienung der Funken-Telegraphie-Anlagen in
die per-sonelle Struktur der Kaiserlichen Marine war in den ersten Jahren
dieses Jahrhunderts ein Problem. Die Kommandobehörden ordneten 1899
an, daß diese Soldaten, da sie technische Geräte bedienten,
ebenso wie das Torpedo-Personal als die eigene Branche Funker – so hie-ßen
damals die einzelnen laufbahnen – den Werftdivisionen (als den Stammdivisionen
für die techn. Laufbahn) zugeteilt wurden. Demzufolge trugen diese
Soldaten die Abzeichen der Werftdivision: silberne Knöpfe und silbernes
Mützenbaand.
1910 wurde
nach Einführung der allgemeinen Ausbildung die Branche Funkmeister-Laufbahn
aufgestellt. Als Dienstgrade wurden angegeben Funk-Telegraphisten Maat
und der Mann-schaftsdienstgrad Funker. Abzeichen: roter Blitz, beim Maaten
auf klarem Anker.
Während
des ersten Weltkrieges wurde diese Branche erweiter um den Funktelegraphenmei-ster
(im Range eines Deckoffiziers).
In der Reichsmarine
wurde 1921 die Funkmeisterlaufbahn als laaufbahn IV festgelegt. Zu dieser
zeit entfielen auch die silbernen Knöpfe und das silberne Mützenband.
Im Admiralstab,
der obersten Führungsstelle, gab es in der Militärischen
Abteilung nur einen mit den Fragen des Nachrichtendienstes betrauten Seeoffizier.
Das reichsmarineamt,
die Zentralebehörde für Rüstung, Werften und Verwaltung,
hatte 1914 im Werftdepartement eine Abteilung für Torpedowesen und
Funktelegraphie, die 1918 nur noch „Dezernat für technische Versuche
und Funkentelegraphie“ hieß. Die Aufgabe dieser Stelle war die Entwicklung
und Beschaffung der Funkgeräte.
6. Funkverkehr der U-Boote
Die U-Boote
erhielten, nachdem eine gewisse Kriegsbrauchbarkeit festgestellt war, normale
Funkanlagen. Als Antenne diente der Netzabweiser, ein starkes Stahlseil,
das von vorne nach achtern über das ganze Boot gespannt war. Diese
sollte die Torpedoschutznetze beim Durch-fahren über da eigene U-Boot
heben. Die U-Boote konnten mit der Funkanlage nur aufge-taucht senden und
empfangen. Der Funkverkehr der U-Boote bildete einen eigenen Funkver-kehrskreis,
mit dem der Befehlshaber der U-Boote oder der Flottillenchef die Boote
führte. Funkverfahren und Schlüsselmittel waren mit dem
in der Flotte Benutzten identisch. Die U-Boote hatten jedoch eigene Tauschtafeln.
Der Funkverkehr
wurde im allgemeinen ohne besondere Störungen abgewickelt. Selbstver-ständlich
haben die U-Boote ebenfalls unter den unzureichenden Schlüsselmitteln
gelitten. Im laufe des Krieges dehnte sich das Operationsgebiet der U-Boote
immer weiter aus, sodaß die-se außerhalb der Reichweiten der
normalen tönenden Löschfunkensender standen. Durch Er-probungen
wurde ermittelt, daß die Längstwellen der Funkstation Nauen,
die auf Wellen zwi-schen 12 000 und 18 000m arbeiten, von den U-Booten
nicht nur aufgetaucht, sondern auch getaucht bis zu Tiefen von 20-30m empfangen
wurden. Die Leistungen dieser Sender wurde ab 1917 auf 400KW gesteigert.
Die Hochfrequenzmaschinensender wurden von telefunken gebaut und in Nauen
von der Tochterfirma Transradio betrieben.
Ab 1917 erhielten
die U-Boote die ersten Röhrensender, ARS 78 genannt, die ungedämpfte
Wellen abstrahlten. Ferner Verstärker für Ihre Detektor-Empfänger.
Es urde alles getan um den Nachrichtenaustausch mit den modernsten Mitteln
so weit nur irgend möglich aufrecht-zuerhalten.
7. Allgemeines
Wie alle technischen
Entwicklungen wurde auch die Funktelegraphie während des Krieges bedeutend
vorangetrieben. Nicht nur die eigentlichen Funkanlagen, also Sender und
Empfän-ger, sondern auch die Zubehörteile und Meßgeräte
wurden wesentlich verbessert. Die meisten dieser Fortschritte waren erst
gegen Kriegsende an die Front, also auf die Schiffe, gekom-men.Diese war
erst möglich, als die Entwicklung der Vacuum-Röhren so weit fortgeschritten
war, daß Röhrensender- und Verstärker ausgeliefert werden
konnten.
Als erstes
kamen die Zwei-Röhren-Niederfrequenz-Verstärker an die Front,
mit denen die Laautstärke der Detektor-Empfänger so verstärkt
wurde, daß der Empfang in Flugzeugen und auf sehr große
Entfernungen auf U-Booten möglich war. Auch die ersten Überlagerungsemp-fänger
mit der Röhre RE 11 kamen im letzten Kriegsjahr 1918 an Bord.
Ein besonderer
Fortschritt waren die Funkpeilstellen, die in Borkum, Cuxhaven und List
auf Sylt errichtet wurden. Mit diesen konnten Faahrzeuge in Not,
aber auch notgewasserte See-flugzeuge gepeilt werden, so daß gezielte
Rettungsmaßnahmen auf den gepeilten Standort möglich waren.
Außerdem hatten diese Peilstellen die Aufgabe, wichtigen englischen
Funk-verkehr zu peilen. Es sei bemerkt, daß diese peilstellen auch
heute noch an den gleichen Stel-len bestehen und für Rettungsmaßnahmen
hervorragend geignet sind.
Die allgemeine
Organisation des Marine-Nachrichtendienstes wurde entsprechend den lau-fend
wachsenden Anforderungen planmäßig ausgebaut, insbesondere auch
der Drahtnach-richtendienst. Die Marine verwendete nur von der Reichspost
ermietete Leitungen für den Fernsprech- und Fernschreibverkehr. Im
Fernschreibverkehr waren die sogenannten „Hughes-Telegraphen“ eingesetzt.
Diese Geräte arbeiten mit Drucktasten für die Buchstaben und
Zah-len des Alphabets, jeder Buchstabe oder jede zahl erhielt fünf
Stromstöße eines sogenannten Fünferalphabets. Die Zeichen
wurden im Klartext auf einem Streifen ausgedruckt. Hiermit wurden sehr
weite Entfernungen überbrückt. Die Geräte waren die Vorläufer
der heutigen Fernschreiber. Sie wurden von besonders ausgebildeten Soldaten
der Telegraphisten-Laufbahn bedient. Nach den damaligen Begriffen waren
diese Geräte abhörsicher. Daher wurden sie auch in großem
Umfange bei Marine und Heer eingesetzt.
Reichsmarine
1. Technische und betr. Entwicklung d. Funkdienstes
Die technische Instandhaltung und der Einbau aller Nachrichtenanlagen oblag den beiden Marinewerften mit ihren Maschinenbauressorts. In den ersten Jahren konnten die Schiffe und auch die Landstellen nur mit dem ersten Röhrensender ARS 78 (Alter oder Allgemeiner Röh-rensender) und dem etwa gleich alten Allwellenempfänger E 266 mit der Überlagerungsröhre RE 11 und einem Zweifach-Niederfrequenzverstärker bestückt werden. Diese Anlage war recht primitiv und hatte nur geringe Leistungen. Bei den sehr geringen Haushaltsmitteln mußten diese ausreichen, bis bessere Anlagen neu entwickelt waren. Als Schlüsselmittel wur-den die aus dem Kriege stammenden Satzbücher, das AFB = Allgemeines Funkspruchbuch und das FFB 17 = das Flottenfunkspruchbuch sowie die angepaßte Maarineliste verwendet.
Welche Aufgaben
den Funkstellen damals gestellt wurden, mag ein Beispiel erläutern:
Bei den Verbandsübungen
1925 sollte durch eine fingierte Flugzeugaufklärungsmeldung die Ausgangslage
dargestellt werden. Auf dem Linienschiff „Elsaß“, wurde der Funkspruch
emp-fangen und sofort entschlüsselt. Er enthielt Kurs und Fahrt des
Gegners. Diese lagen jedoch in der entgegengesetzten Richtung wie vorgesehen.
Der Kommandant, als Führer des Verban-des, ließ Kehrt machen
und suchte den Gegner in der gemeldeten Richtung. Der FTO kon-trollierte
im Funkraum nochmals den Funkspruch und stellte fest, daß versehentlich
der für die Gegenseite bestimmte entsprechende FT aufgenommen und
weitergemeldet war. Da die Abstimmung der Empfänger sehr breit war,
auch die Sender ein breites Band hatten, konnte die vom Flagschiff geshaltete
andere Welle der gegnerischen partei leicht durchschlagen, zu-mal diese
ganz in der Nähe stand. Die Schlüsssselmittel waren damals noch
für beide Parteien gleich, so daß diese Verwechselung nicht
sofort erkannt wurde. Als der FTO auf der Brücke das Versehen meldete,
war der falsche Kurs noch nicht aufgefallen. Erst der Befehl vom Flottenchef,
die Übung abzubrechen und zu sammeln, brachte Klarheit. In der Besprechung
war der Flottenchef wegen dieses Versagens sehr aufgebracht und verlangte
die Bestrafung des FTO. Die mangelhafte Technik sollte durch Aufmerksamkeit
ersetzt werden.
Die Entwicklung der HF-Technik ging in dieser Zeit stürmisch voran. Seit Herbst 1923 wurde ein Netz von Rundfunksendern aufgebaut, daß von der Reichspost betrieben und von der Reichsrundfunkgesellschaft gestaltet wurde. Diese neue Nachrichten- und Unterhaltungsmit-tel entwickelte sich sehr schnell. Immer neue Empfänger-Typen kamen auf den Maarkt, die Zubehörteile wurden vervollkommnet, kurz, die ganze Rundfunkindustrie nahm einen enor-men Aufschwung, eine Industrie, die bis dahin fast nur für Post und Wehrmacht gearbeitet hatte.
In dieser Zeit
fiel auch die grundlegende Borderprobung des von telefunken entwickelten
Bordfunkpeilers, wozu auf „Elsaß“ ein kleiner Aufbau errichtet war.
Diese von der Nach-richtenmittelversuchsanstalt der Marine (NVA) geförderten
Arbeiten waren erfolgreich, so daß der Funkpeiler bald auf allen
Schiffen für navigatorische Zwecke eingebaut wurde.
Im Marinefunkverkehr
konnten in diesen Jahren auch grundlegende Erfahrungen mit dem ungedämpften
Funkverkehr gesammelt werden. Die Umstellung auf diese Wellen war not-wendig,
da bei dem erheblich gesteigerten Frequenzbedarf aller Dienste der bis
dahin übliche gedämpfte Funkverkehr mit seinem breiten Frequenzband
zu großen gegenseitigen Störungen führte. Außerdem
kamen in dieser Zeit auch die Kurzwellen auf, die von Funkamateuren im
Verkehr mit Amerika entdeckt waren. Mit kleinem Energieaufwand wurden große
Reichwei-ten erzielt.
Der Ausrüstungsstand
war 1926 folgender:
Langwellensender
a) Fremdgesteuerte
800W Röhrensender, mit einem Wellenbereich von 600-3200m für
Linienschiffe,
Kreuzer und Küstenfunkstellen.
b) Neuer fremdgesteuerter
200W Röhrensender mit Wellenbereich von 400-2500m für
Die im Bau
befindlichen Torpedoboote.
c) Die alten ARS 78 Sender mit einem Wellenbereich von 600-2800m.
d) 200W Torpedobootsender
mit Wellenbereich 200-2100m für Torpedoboote und
gleicwertige
Schiffe.
e) 75W Z-Stationssender
ab 1927 auf allen Linienschiffen und Kreuzern für gedämpften
und ungedämpften
Funkverkehr und für Funktelefonie eingerichtet zum Verkehr in der
Gefechtslinie.
Langwellenempfänger
In der Marine wurde fast ausschließlich der Telefunken-Allwellen-Empfänger E 266c mit einem Wellenbereich von 150-20 000m verwendet. Wegen nicht ausreichender Trennschärfe wurde ein Vorsatzgerät eingeführt. Moderne Empfänger waren in der Entwicklung. Außer-dem wurden Versuche durchgeführt, die Sender und Empfänger eines Schiffes durch Sperr-kreise so zu trennen, daß gesendet und gleichzeitig auf einer anderen Welle empfangen wer-den konnte. Hieraus wurden dann die Doppelverkehrsanlagen entwickelt.
Kurzwellensender und –empänger
Zu dieser Zeit
waren nur mit Bordmitteln gebaute Sender und Empfänger auf den Schiffen
vorhanden. Bei den Firmen waren geeignete Geräte in der Entwicklung.
Die NVA hatte meh-rere Versuchsempfänger gebaut, die als „TIMI-Empfänger“
in der kleinen Firma Junkers in Berlin gefertigt und an Bord gegeben
wurden.
Rundfunkempfänger,
die für den Bordbetrieb brauchbar waren, mußten noch entwickelt
wer-den, zumal auch mehrere Lautsprecher angeschaltet werden sollten.
2. Kurzwellen-Weiterverkehr des MNO
1927 wurde als erste moderne Küstenfunkstelle der Marine die Doppelverkehrsanlage des MNO Kiel mit der Empfangsstelle in Kiel-Holtenau und der Sendestelle in Friedrichsort in Dienst gestellt.Der erste fabrikatorisch gebaute Kurzwellensender mit einer Leistung von 5KW war hier stationiert und hatte einen durchstimmbaren Wellenbereich von 12-60m. Au-ßerdem waren noch zwei 3KW und 800W Langwellensender vorhanden,. Alle Sender waren fremdgesteuert, sie hatten Heiz- und Anodenumformer und waren ohne Quarz durchstimm-bar. Für den Kurzwellensender war eine 1000 Amp/Std. Heizbatterie vorgesehen. <Der An-odenstrom wurde über Gleichrichter erzeugt. Zwei Transformatoren und ein Notstromaggre-gat stellten die ständige Betriebsbereitschaft sicher.Mit dieser Anlage konnte mit den Aus-landskreuzern vom ersten Arbeitstage an täglicher Nachrichteaustausch bei Tage und bei der Nacht sichergestellt werden.
Da zu dieser
Zeit nur geringer Funkverkehr auf den Kurzwellen abgewickelt wurde, erkannten
die erfahrenen Funkoffiziere der DEBEG sehr bald, daß der Funkname
OJÖ die KFS Kiel war, die als Abstimmzeichen den markanten Morsebuchstaben
Alpha (..-..) benutzte. Nord-deich hatte damals noch keinen Kurzwellensender,
die die KFS Kiel war für den beschränkt-öffentlichen Funkverkehr
zugelassen.
Die deutschen
Schiffe wurden vielfach als Relaisestationen für die Marinefunksprüche
an die Auslandskreuzer eingestzt.
![]()